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Plenarrede · Sonstiges

Integration – in welche Gesellschaft hinein?

Zur Rede
Maja Lasić im Abgeordnetenhaus von Berlin

Rede im Wortlaut

Im Parlament.
Im Wortlaut.

Protokollseiten 1257–1259

3 Min. Lesezeit

Machen Sie Ihren Wahlkampf genauso, wie Sie diesen Antrag verfasst haben, dann bin ich mir sicher: Sie bleiben uns vier weitere Jahre erhalten. Aber zum Antrag: Er fordert eine Änderung des Schulgesetzes, um - ich zitiere - die Schüler auch in die Lage zu versetzen, eine... von Politik und Medien betriebene „Täuschung durch Sprache“ erkennen zu können... Ganz abgesehen von der Tatsache, dass unser Schulgesetz genau diesen Auftrag bereits hat, ist Ihr Antrag eine wunderbare Vorlage für Klassen, die bei dem noch einzuführenden Schulfach Politik das Thema „Täuschung durch Sprache“ durchnehmen werden und Ihren Antrag Stück für Stück auseinandernehmen werden.

Ich werde leider nicht dabei sein dürfen, also mache ich es hier stellvertretend im Parlament. Abgeordnetenhaus von Berlin Seite 1258 18. Wahlperiode „Täuschung durch Sprache“ am Beispiel der Europäischen Union: Sie wollen die Formulierung „in einem gemeinsamen Europa“ durch „in einem Europa der befreundeten souveränen Vaterländer“ ersetzen.

Ihr Änderungsantrag unterstellt damit dem aktuellen Schulgesetz, dass aktuell die Souveränität unseres Staates nicht ausreichend berücksichtigt sei. Dies ist schlicht falsch. Die im Schulgesetz aktuell genutzte Formulierung steht im Einklang mit der Präambel der Verfassung der EU, in der steht - ich zitiere -: In der Gewissheit, dass die Völker Europas, wiewohl stolz auf ihre nationale Identität und Geschichte, entschlossen sind, die alten Trennungen aufzuheben und immer stärker geeint ihr Schicksal gemeinsam zu gestalten … Wir stehen dazu.

„Täuschung durch Sprache“, Beispiel 2: Sie fordern, Werte der eigenen kulturellen Identität zu vertreten... gegenüber einer Ideologie des dogmatischen Multikulturalismus - einer Ideologie, welche importierte kulturelle Strömungen auf geschichtsblinde Weise der einheimischen Kultur hierzulande gleichstellt. Dies ist - mit Verlaub - Täuschung durch Sprache in Reinform. Begriffe wie „dogmatischer Multikulturalismus“ oder gar „Geschichtsblindheit“ werden dem Schulgesetz unterstellt.

Wer ist hier geschichtsblind, Herr Curio? Und noch ein Knaller an derselben Stelle: Fortbestand der Nation als kulturelle Einheit. Da sage ich Ihnen mal was als jemand, der nicht zu dieser kulturellen Einheit gehört: Und jetzt meine emotionale Bewertung: Ich fühle mich Ich bin jeden Tag von Neuem stolz und glücklich, zu einem Staat zu gehören, in dem Menschen, die nach kultureller Einheit schreien, zur Minderheit gehören.

Sie können mir nichts, Herr Curio! Sie können auch in Zukunft wutschäumend Ihre Anträge einbringen, aber ich bleibe hier genauso wie 16 Millionen andere Menschen, die eine Migrationsgeschichte haben. Zusammen mit der Mehrheit der Deutschstämmigen pfeifen wir auf Ihre kulturelle Einheit, die sowieso eine antworten können, habe ich nur einen Satz für Sie: Schä- Mär ist.

Mein Deutschland ist bunt. Unser Grundgesetz bietet den richtigen Rahmen für unser Zusammenleben. Plenarprotokoll 18/13 6.

Juli 2017 Und Sie werden mein Land nicht in Ihr Einheitsgrau verwandeln können. Keine Zwischenfragen! - Ich schließe ab mit einem Dauerbrenner unter Beispielen für „Täuschung durch Sprache“: Sie schreiben - und ich zitiere - Beispiele (für vermeintliche Täuschung) wären etwa die gezielt gewählten Fehlbezeichnungen „Flüchtlinge“ und „Schutzsuchende“ für illegale Migranten...

Hier erst mal meine rationale Bewertung: Im vorliegenden Zitat unterstellen Sie, dass alle Einwanderinnen und Einwanderer, die als Flüchtlinge oder Schutzsuchende bezeichnet werden, eigentlich illegale Migrantinnen und Migranten sind. - Das steht so da! - Im selben Atemzug unterstellen Sie, dass jeder, der es nicht so sieht wie Sie, Täuschung durch Sprache betreibt. Es ist schon perfide, wenn man durch solch gezielten Einsatz von Sprache die komplette Drehung der Sachlage erreicht. angesprochen, wenn Sie alle Flüchtlinge zu illegalen Migrantinnen und Migranten deklarieren.

Und ich könnte sagen, dass es mir egal sei, weil meine Flucht jetzt 25 Jahre zurückliegt und genug Gras darüber gewachsen ist, es ist mir aber nicht egal. Es reißen alte Wunden auf aus der Zeit, als sich über mich und meine Flüchtlingswelle der Hass ergossen hat. Und aus dieser persönlichen Betroffenheit und stellvertretend für all diejenigen, die heute Ihren Hass spüren und noch nicht men Sie sich!

Quellennachweis

Stenografisches
Protokoll.

Abgeordnetenhaus von Berlin · 18. Wahlperiode · Sitzung 18/13 · 06. Juli 2017 · S. 1257–1259

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