← Reden & Aufzeichnungen

Plenarrede · Bildung

Inklusion mit Augenmaß – Förderschul- Garantie-Gesetz

Zur Rede
Maja Lasić im Abgeordnetenhaus von Berlin

Rede im Wortlaut

Im Parlament.
Im Wortlaut.

Protokollseiten 6133–6134

3 Min. Lesezeit

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Es ist mal wieder eine besondere Qual, sich zu Ihren Anträgen verhalten zu müssen, Herr Weiß.

Mein Problem mit Ihren Anträgen sind dabei nicht die Punkte, mit denen Sie zeigen, dass Sie keine Ahnung vom Schulgesetz haben. Mein Problem sind die Punkte, mit denen sich Ihre politische Ausrichtung vollends offenbart. Schwerpunktschulen umsetzen. - Das heißt nichts anderes, als dass Sie wollen, dass sich die meisten Regelschulen dem Thema Inklusion nicht stellen müssen.

Kinder mit Förderbedarf sollen versteckt werden, aussortiert, von den restlichen Kindern ferngehalten. Was für eine kleine Welt, in der Sie leben, Herr Weiß! Man möchte fast Mitleid haben.

Ja, wir müssen zwingend inklusive Schwerpunktschulen ausbauen und stärken. Aber auf keinen Fall dienen inklusive Schwerpunktschulen dazu, die Kinder aus dem restlichen Regelsystem fernzuhalten, sondern sie dienen dazu, mehr Kindern, die sonst an Förderschulen wären, den Einstieg ins Regelsystem zu ermöglichen. Dass Sie recht“ in den Mund zu nehmen - auch gerade in der Re- Familien gegenübertreten.

Echtes Wahlrecht gibt es nur, wenn die Familie sich tatsächlich frei zwischen den drei Säulen der Inklusion entscheiden kann: Regelschule, inklusive Schwerpunktschule, Förderzentrum. Wir sind da noch nicht so weit, wie wir gerne wären, aber die Rolle rückwärts, mit der man Betroffene massiv vor den Kopf stößt, wagt nur die AfD. Abgeordnetenhaus von Berlin Seite 6134 19.

Wahlperiode Beispiel zwei für Ihre ahnungslose Dreistigkeit: Sie wol- Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf wollen Sie len den zieldifferenten Unterricht auf die inklusiven Schwerpunktschulen beschränken. Willkommen im 19. Jahrhundert, sage ich da nur!

Wann waren Sie das letzte Mal im Klassenzimmer? In Ihrer eigenen Schulzeit, vermute ich. Akzeptieren Sie es: Die Welt hat sich weitergedreht, und das hat am Ende nichts mit Kindern mit Förderbedarf zu tun.

Auch wenn wir alle Kinder mit Förderbedarf aus dem Regelsystem rausnehmen würden, müsste das Regelsystem zieldifferenter unterrichten, weil Dass Sie mit Ihrer Gesetzesänderung die Möglichkeiten unsere Kinder Unterschiedliches brauchen. Mir würde nicht im Traum einfallen, alle meine Kinder in der Klasse lich, dass Sie gar nicht verstehen, dass selbst der Nachüber einen Kamm zu scheren und zu versuchen, Frontalunterricht aus einem Guss über sie zu gießen. Ich gebe Ihnen mal einen Tipp unter Kollegen: Sie sollten ist. vielleicht mal bei Debatten im Bildungsausschuss mitmachen.

Da findet die eigentliche Fachdebatte statt. Sie aber Inklusion ist auch keine Ideologie, sondern ein Mensagen dort kein Wort. Oder Sie hören zur Abwechslung mal Praktikern zu, dann hätten Sie vielleicht mehr Ahnung von Schulpolitik.

Diese Schaufensteranträge jedenfalls, die ausschließlich für TikTok-Zusammenschnitte dienen, werden dorthin verbannt, wo sie hingehören - in die Tonne. - Vielen Dank!

Quellennachweis

Stenografisches
Protokoll.

Abgeordnetenhaus von Berlin · 19. Wahlperiode · Sitzung 19/62 · 27. Februar 2025 · S. 6133–6134

Protokoll öffnen

Drucksachen

19/2243 Antrag · 19.02.2025