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Parlament 27.06.2017

Gerichtshöfe

Die Gerichtshöfe im Berliner Wedding sind seit 30 Jahren ein fester Bestandteil der Weddinger Kunstszene. Sie befinden sich in einem historischen Gebäude einer alten Chemiefabrik aus der Kaiserzeit in der Gerichtsstraße 12. In den 1980ern mieteten die ersten Künstler die Gewerberäume und bauten sie nach ihren Bedürfnissen zu Ateliers um. Lange Zeit waren günstige Mieten und eine vom Verkehr abgeschlossene Ruhe im Hinterhof der Grund, weshalb sich viele Künstler*innen und Kleingewerbe dort angesiedelt haben. Mittlerweile findet sich dort eine stadtbekannte Berliner Mischung aus Holz- und Keramikgewerben und Ateliers… kurz, eine Vielzahl künstlerischer Wirkungsorte. In Zeiten der Verdrängung findet sich hier eine Oase des Rückzugs für Künstlerinnen direkt am Ring.

Seit jeher ist die GESOBAU ein wichtiger Partner der Gerichtshöfe. 2018 wurde jedoch angekündigt, das Gelände zu sanieren und künftig für Studierendenwohnungen zu verwenden. Auch wenn das Schaffen neuen Wohnraums ein gemeinsames Anliegen der Stadt und der städtischen Wohnungsbaugesellschaften ist – die Sanierungen ließen Preissteigerungen vermuten, durch die viele Gewerbetreibende und Kunstschaffende verdrängt worden wären und dies galt es abzuwenden.

Zusammen mit den Akteuren vor Ort vermittelte ich sowie weitere politische Akteure zwischen den verschiedenen Interessen, Zielen und auch Vorurteilen und das Bezirksparlament, die BVV, unterstützte den Prozess mit entsprechenden Beschlüssen. Dieser Prozess war nicht einfach und verlangte den Künstler*innen und Handwerker*innen Durchhaltevermögen ab, aber die Gespräche wurden fortgesetzt. Erst wurde das Aussetzen der Kündigungen verkündet und dann im Herbst 2020 können wir den zentralen Erfolg verkünden: Die GESOBAU hat mit allen Mietern der Wohnblöcke Vereinbarungen getroffen, um geplante Baumaßnahmen durchführen zu können. Den Künstler*innen wurde zugesichert, dass diese Maßnahmen die Nettokaltmiete um nicht mehr als 1 € pro Quadratmeter steigen lassen. Zudem sollen Künstler*innen und Gewerbe bei neuen Mietverträgen vorrangig berücksichtigt werden und wir haben auf diesem Weg eine dauerhafte Perspektive für den Standort geschaffen.

Erfreulicherweise hat die GESOBAU auch einen neuen Zeitplan für die Sanierungen vorgenommen. Diese betreffen zunächst Verkehrssicherungsmaßnahmen wie Brandschutz, Eingangstüren oder Elektroanlagen. 2021 geht’s los.

Für diesen Erfolg danke ich allen Beteiligten, insbesondere auch der GESOBAU!

Besonders erfreulich: Die Gerichtshöfe erhalten eine Projektförderung aus dem Programm „soziale Stadt“ des Landes Berlin und dem Quartiersmanagement in der Pankstraße. Die Förderung läuft bis Ende 2021 und umfasst Aktivitäten zur künstlerischen Ausstrahlung in die Nachbarschaft.

Aktueller Stand · August 2026

Wie es weiterging

Die Gerichtshöfe sind weiterhin ein aktiver Kunst- und Gewerbestandort im Wedding. Für 2026 sind erneut Open Studios angekündigt. Eine neuere, konkrete parlamentarische Initiative von mir zu dem historischen Vorgang konnte ich nicht verifizieren; deshalb ergänze ich hier bewusst nur den aktuellen Stand des Ortes.